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Das Unternehmen

    TFT: Kleine Schraube, große Wirkung

    Wenn Website-Entwickler weltweit an Homepages bauen, gehen sie meist nach demselben Schema vor. Dieses vermeintlich bewährte Modell birgt erhebliche Problempotenziale in sich. Wie sie elegant vermieden werden können, wissen TFT Creative Director Michael Stark und sein Kreationsteam.

    “Prozess zur Gestaltung gebrauchstauglicher interaktiver Systeme nach ISO 9241-210“ – diese auf den ersten Blick mehr als kryptische Formulierung entfaltet nach genauerer Erläuterung durch Michael Stark einen bestechenden Reiz. Denn hinter der sperrigen Norm verbirgt sich eine kleine Revolution der Web-Entwicklung, genannt User Centered Design (UCD). „Die Norm steht für ein Regelwerk, das hilft, Probleme herkömmlicher Entwicklungsprozesse von Websites weitestgehend zu umgehen“, erklärt Stark, der vom Fraunhofer Institut jüngst als Usability Engineer zertifiziert wurde.

    Alt – aber auch bewährt?


    Als ‚Benutzerfreundlichkeit‘ wird Usability oft fälschlicherweise definiert. Doch es geht dabei nicht um die Freundlichkeit des Benutzers, sondern um die Gebrauchstauglichkeit eines Produkts. Genau diese soll im Idealfall erreicht werden. Zum Erreichen dieses Zieles zeigt UCD einen neuen Weg auf, dessen Relevanz sich besonders im Vergleich mit der herkömmlichen Vorgehensweise offenbart. Am Anfang der klassischen Webseitenentwicklung stehen die Kundenanforderungen, gefolgt von der Entwicklung des Layouts. Sind diese durch den Kunden abgenommen, gehen die Programmierer ans Werk. Sehr spät, ein paar Wochen vor dem Livegang der neuen Homepage, sieht der Kunde dann zum ersten Mal sein Produkt. „Und hier fangen die Probleme meist an“, weiß Michael Stark. Denn oft haben Kunden dann Änderungswünsche oder erste Tests legen Fehler offen. Doch Änderungen kosten Geld. Geld, das nun fehlt, da es zu diesem Zeitpunkt meist schon ausgegeben wurde.

    Idee trifft Realität


    Im Gegensatz zur Konzeptionsphase sind Änderungen nach dem Livegang meist mit erheblichen Kosten verbunden. „Die Ursachen hierfür“, erklärt Michael Stark, „sind offensichtlich. Steht die Site erst einmal, muss nochmals an jedem Schräubchen gedreht werden, muss der Code geändert, die Grafik umgebaut, Inhalte umgestellt werden“. Man kann sich das vorstellen wie beim Hausbau: Der Bauherr kennt zwar den Plan des Architekten. Das Gebäude kann er aber erst begehen, wenn es schon steht. Möchte er dann zum Beispiel doch eine Wand einreißen oder ein weiteres Fenster einbauen, muss der gesamte Bautrupp, vom Maurer bis zum Maler, ein weiteres Mal anrücken. Zudem bewegt sich in der frühen Produktionsphase die Kommunikation zwischen Dienstleister und Kunden notgedrungen in der vagen Welt der Vorstellungskraft. Die Argumentation beruht auf Gefühlen und Erfahrungen, denn das konkrete Produkt ist eben noch eine Idee. Dieses Zusammenspiel kann schlichtweg nicht zu hundert Prozent funktionieren. Essenzielle Annahmen gehen dabei oft am User vorbei – und genau hier setzt das UCD an.

    User Centered Design

    Die neue Herangehensweise dreht den Spieß um. Statt auf den vieldeutigen Annahmen von Kunden oder Dienstleistern, stützt sich die Entwicklung auf die Anforderungen des Users. Dieser wird hier von Anfang an in das Projekt eingebunden. „Wir stellen bei all unserem Handeln und Tun den User in den Mittelpunkt“, sagt Michael Stark. Das ist nicht einfach dahingesagt, denn hinter dem Satz steckt ein klar definiertes Vorgehen nach den Regeln des UCD. So werden auch hier vom Kunden zuerst Nutzungsanforderungen definiert, doch fließen diese nicht umgehend in erste Layouts.

    Stattdessen wird ein interaktiver Prototyp erstellt, der – und das ist der Kernaspekt des Ansatzes – sofort auf die konkrete Anforderung hin getestet wird. Mit der Qualifikation des Fraunhofer Instituts hat TFT dafür ein eigenes Usability-Labor eingerichtet. Die Prototypen sind interaktiv und ähneln in Optik und Haptik fertigen Webseiten, mit dem Unterschied, dass sie komplett in weiß, schwarz und grau gehalten sind. „Wir können damit heute, ohne eine Zeile Programmcode geschrieben zu haben, einen User-Prozess komplett abbilden, vom Finden einer bestimmten Information bis hin zur Bestellung eines Produktes, samt Warenkorb, Angabe der Lieferadresse und Bezahlung“, so Stark. Die Testuser sind dabei angehalten, laut zu denken, das heißt alles zu erklären, was sie tun und sehen. Neun bis zehn Probanden, so wurde empirisch nachgewiesen, reichen aus, um 98 Prozent der möglichen Fehler aufzudecken. Das TFT-Team geht sogar einen Schritt weiter und lässt bei Bedarf auch Redaktionen zukünftige Content Management Systeme auf die gestellten Anfordernisse hin testen.

    Fehler aus Sicht der Usability sind jene, die den User davon abhalten, das durchzuführen, was er möchte: Seien es Probleme beim Verständnis, bei der Navigation, Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes oder einfach ein Gefühl der Bevormundung. Aus dem Test-Feedback lassen sich frühzeitig Usability-Schwachstellen aufdecken – und nicht, wie beim klassischen Vorgehen, erst am Ende. Die Einbindung des Users ermöglicht somit Produkte, die auf ihn zugeschnitten und damit auch kommerziell erfolgreich sind. „Durch die Tests sind wir sehr schnell sehr nahe an dem Produkt, das User und Kunde sich vorstellen“, so Stark.

    Das Prüfungsprozedere nach DIN-Normen räumt auch mit weichen Argumenten in der Websiteproduktion auf. Denn die Prinzipien, nach denen Usability funktioniert, sind hart und messbar: Sie beruhen auf den in empirischen Studien gesammelten Erkenntnissen weltweiter Experten, die schließlich in DIN und ISO-Normen gegossen wurden. Findet sich zum Beispiel beim Einkaufsprozess kein Zurückbutton, verstößt das gegen das Dialogprinzip der Steuerbarkeit und muss damit geändert werden.

    „Design ist die Arbeit, die der Konzeption folgt“, weiß Michael Stark. So hat der neue Ansatz auch das Entwicklungsteam von TFT gewandelt: Zum einen ist der Kundenwunsch nach mehr Konzeption und perfekter Usability aufgrund einer immer komplexeren Welt in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Zum anderen können Webdesigner nun auf den vom Kunden abgesegneten Prototypen aufbauen. Das minimiert den Bedarf nachträglicher Layout-Änderungen. Die Kerntätigkeitsbereiche des TFT-Teams haben sich so stark verschoben: „Als eigentliche Webdesigner beschäftigen wir uns heute zu zwei Dritteln mit der strukturellen Konzeption, erklärt Stark. „Ein richtiges Design zu entwerfen, ist immer noch eine hohe Kunst. Aber das Thema Interaktion ist für mich mittlerweile noch wesentlich wichtiger geworden.“ Und genau so sehen es auch die Kunden.

    Wettbewerbsvorteil

    In Deutschland ist UCD im Web-Umfeld noch ein relativ neues Betätigungsfeld. Nur wenige Dienstleister beherrschen den Ansatz in der Tiefe und Gründlichkeit des Entwicklungsteams der TFT. Das stellt einen großen Wettbewerbsvorteil dar, den man weiter ausbauen will. Daher wird gerade ein eigenes Benchmark-System entwickelt. „Dem Kunden können wir dann exakt messbar machen, um wie viele Punkte wir sein Produkt verbessern konnten“, so Stark. Die TFT-Kunden wird‘s freuen.

    Von Adrian Ebner