Dreidimensionale Wetter-Denker
Seit 2001 hat sich Meteovista, das wie das Hotelbewertungsportal Zoover zur Webassets B.V. gehört, zu einem der führenden Anbieter für meteorologische Daten und Services im B2B- und B2C-Geschäft in den Niederlanden und anderen europäischen Ländern entwickelt. Die Website bietet eine breite Palette an Vorhersagen und andere Wetterinformationen an und zählt rund 20 Millionen Besucher im Monat. Bei Meteovista arbeiten neun Meteorologen, die Vorhersagen für Verbraucher, Medien und Firmen erstellen. Wir haben uns mit Chefmeteorologe Hans Roozen unterhalten und ihn gefragt, was wir schon immer über das Wetter wissen wollten.
Wie sieht der normale Arbeitstag eines Meteorologen aus?
Das Wort ‚normal‘ gehört nicht zum Wortschatz eines Meteorologen. Obwohl unsere Arbeit sich nach dem Wetter richtet, haben wir natürlich eine Tagesplanung. Der Morgen beginnt mit Kaffee und einer allgemeinen Wettervorhersage. Im Laufe des Tages erstellen wir verschiedene Vorhersagen für diverse Kunden und Zwecke, wie zum Beispiel für Zeitungen und das niederländische Fernsehen.
Welche Daten benötigt ihr für eine Wettervorhersage?
Computergenerierte statistische Modelle sind das Rückgrat aller Wettervorhersagen. Neben diesen Modellen verwenden wir Echtzeit-Daten wie Radar- und Satelliten-Aufzeichnungen. Klimadaten sind beim Vergleich aktueller Situationen hilfreich.
Wie erstellt man eine Wettervorhersage?
Zuerst ziehen wir Echtzeit-Daten heran, um den Ausgangspunkt für unsere Vorhersagemodelle festzulegen. Dann analysieren wir die verschiedenen Modelle und vergleichen sie miteinander. Auf dieser Grundlage entwickeln wir dann ein Gesamtbild.
Woher stammen die Daten?
Wir arbeiten mit verschiedenen Datenanbietern zusammen. Einer davon ist das deutsche Unternehmen MSWR (Meteo Service Weather Research) aus Berlin. Auf der Grundlage von Daten aus dem sogenannten NOAA Global Forecast System und Messungen vor Ort berechnet MSWR unter Einbeziehung eigener MOS-Modelle stündliche Vorhersagen. MOS steht für ‚Model Output Statistics‘, eine statistische Verfahrenstechnik in der modernen Wettervorhersage. Wir wandeln diese stundenbezogenen Daten in tagesrelevante Informationen um und fügen dann alle weiteren sekundären Parameter hinzu, die auf der Website gezeigt werden. Für unsere landwirtschaftlichen Vorhersagen, die auf Krankheiten bei Nutzpflanzen fokussiert sind, haben wir unsere eigenen Modelle. Im Winter verwenden wir Daten von Rijkswaterstaat (RWS), das zum niederländischen Ministerium für Infrastruktur und Umwelt gehört, um Vorhersagen zu den Straßenverhältnissen für unser eigenes Slippery Road Information System (GMS2Plus) zu treffen. Dieses System wird von lokalen und regionalen Behörden wie auch auf nationaler Ebene verwendet. Zudem fließen Beobachtungsdaten in die eigentlichen Wetterberichte ein, und wir sehen uns historische Wetterlagen erneut an.
Weicht ihr in euren Vorhersagen manchmal von anderen Anbietern ab?
Ja, natürlich. Nicht alle Wetterdienste nutzen die gleichen Quellen. Computerbasierte Modelle und die Art, wie sie interpretiert werden, spielen eine große Rolle. Sie sind für die Qualität der Vorhersagen ausschlaggebend.
Wie viele Tage kann man das Wetter vorhersagen?
Derzeit berechnen weltweite Modelle das Wetter 14 Tage im Voraus – meiner Meinung nach ist das ziemlich weit. Wie sich jeder sicher vorstellen kann, ist die Vorhersage für morgen natürlich wesentlich genauer als eine Vorhersage über 14 Tage. Je länger der Zeitraum, über den das Modell gerechnet wird, desto weniger genau.
Meteovista erstellt auch Vorhersagen für Gesundheitsthemen und Sport. Wie geht das?
Auch hier ist jede Menge Mathematik im Spiel. Wir erstellen Ratings für das Wetter und wetterbezogene Themen. Für die Berechnung des Ratings werden verschiedene Variablen, die für das jeweilige Thema wichtig sind, herangezogen. Die Ergebnisse sieht man am besten auf unserer Plattform. Beispielsweise eine Deutschlandkarte, auf der die Wahrscheinlichkeit einer Grippeinfektion dargestellt ist oder eine Einstufung von 1 bis 10 für Bedingungen in Wintersportregionen. Man kann auch Parameter wie die Mindestschneehöhe oder Sonnenstunden pro Tag wählen und die Plattform zeigt alle Skiregionen an, auf die die Kriterien zutreffen.
Welches Wetterphänomen war für Dich bisher am aufregendsten?
Ich habe einmal einige hohe, fast unsichtbare ‚trockene‘ Gewitter über der marokkanischen Stadt Marrakesch verfolgt. Durch sie sind heftige Fallböen entstanden, die stark genug waren, Bäume auszureißen.
Ist es möglich, das Wetter auf irgendeine Weise zu beeinflussen? Man liest häufig Meldungen über Versuche, künstliche Wolken und Regen zu erzeugen.
Es hat eine Menge solcher Versuche gegeben, aber bisher sind alle erfolglos geblieben. Es gibt eine wissenschaftliche Disziplin, genannt Geo-Engineering. Ihr Ziel ist es mit technischen Mitteln die globale Erderwärmung zu stoppen. Zum Beispiel durch Abbau von Kohlendioxyd. Es könnte schon sein, dass diese Disziplin einen funktionierenden Plan entwickelt, um der Klimaveränderung entgegenzuwirken.
Wie wird man Meteorologe?
Man muss viel lernen! Es gibt in den Niederlanden verschiedene Meteorologie-Studiengänge – in Utrecht und in Wageningen. Einige unserer Meteorologen haben ihr Handwerk bei der Königlich-Niederländischen Luftwaffe gelernt.
Müssen Meteorologen besondere Talente mitbringen?
Ja, der Schlüssel ist die Fähigkeit, dreidimensional zu denken.
Ansprechpartner
Stellv. Leiterin Konzernkommunikation und Investor Relations
TOMORROW FOCUS AG

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